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Dynamische LRU-Planung

Maintenance-, Repair- and Overhaul-Dienstleister, kurz MRO-Dienstleister, stellen Ersatzteile für den Betrieb von Flugzeugen zur Verfügung. Die gelagerten Ersatzteile sind Eigentum des MRO-Providers und gegen eine jährliche Gebühr wird jedes defekte Teil einer Fluggesellschaft gegen ein neues aus dem Lager des MRO-Dienstleisters ausgetauscht. Aufgrund der Kosten werden die Ersatzteile nach einem Defekt in der Werkstatt Instand gesetzt und dem Lager wieder zugeführt. Dieser geschlossene Ersatzteilkreislauf ist zweistufig aufgebaut. Es gibt ein Hauptlager und mehrere Auslieferungslager, die sich in Kundennähe befinden und eine schnelle Lieferung im Falle eines Teileausfalls ermöglichen. Die Bestimmung der Lagerbestände an den einzelnen Standorten ist außerordentlich herausfordernd. Für niedrige Kapitalbindung sollten die Bestände so niedrig wie möglich sein.

Das bime hat in seinen Forschungsarbeiten gezeigt, dass das Zulassen von lateralen Umlagerungen eine Reduktion der Lagerbestände für den MRO-Dienstleister möglich macht. Beim bisherigen Vorgehen wird eine Ersatzteilanfrage nur aus dem zugeordneten Auslieferungslager bedient. Sollte dieses Lager leer sein, muss der Kunde mit der Ersatzteilanfrage sehr lange auf eine Auslieferung aus dem Hauptlager warten. Bei der lateralen Umlagerung wird im Falle eines leeren Auslieferungslagers die Anfrage aus dem Bestand eines anderen Auslieferungslagers bedient, um die Wartezeit für den Kunden zu verkürzen. Diese Strategie reduziert die Gesamtkosten für die Ersatzteilversorgung, stellt aber gleichzeitig erhöhte Anforderungen an die Ersatzteilplanung.

Weiteres Einsparpotenzial ergibt sich aus der Berücksichtigung kundeneigener Bestände. Bei diesen Beständen handelt es ich um Ersatzteile, welche die Kunden trotz eines Versorgungsvertrags mit dem MRO-Dienstleister auf Lager halten, um Lieferzeiten überbrücken zu können. Da diese Ersatzteile Eigentum der Kundenfluggesellschaft sind, werden sie bislang nicht in der Ersatzteilbevorratung des MRO-Dienstleister berücksichtigt. Die Vernachlässigung führt zu einer Überbevorratung beim MRO-Dienstleister, da mit jedem neuen Kunden Teile in das System gelangen, die nicht in die Lagerbestandsplanung eingehen. Werden die kundeneigenen Bestände in der Planung mit einbezogen, ist das Absenken des Lagerbestandes des MRO-Dienstleister möglich, ohne die Versorgungssicherheit der Kunden zu gefährden.

 

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